Ein riesiges Land, mit einer grünen Landschaft, hunderten Traditionen, Geistern, Höhlenmalereien und meditierenden Affen. Die reiche Flora und Fauna Mosambiks wird aber durch die illegalen und unkontrollierten Holzrodungen und –verbrennungen sowie die illegale Goldgräberei hoch gefährdet.
Über das Bergsteigen und Safari in Mosambik erzählt uns die Ungarin Éva Hegedűs, unsere Gastautorin, die zurzeit als Entwicklungsstipendiatin der GIZ (Gesellschaft der Internationalen Zusammenarbeit) im Land weilt und für uns regelmäßig bloggt.
Wo man Wasser nur aus einem Blatt trinken darf
So ist es zumindest die alte Tradition in den Chimanimanibergen, in 2056 Quadratkilometer großem, wildem Nationalpark und Naturreservat in der Provinz Manica, direkt an der Grenze zu Simbabwe. Vier-Fünftel des Parks liegt auf der mosambikanischen Seite und ein-Fünftel auf der simbabwianischen Seite. Im Gegenteil zum simbabwianischen Teil, in Mosambik findet man kaum noch eine touristische Infrastruktur, aber genau die Abwesenheit der Zivilisation macht den Park und das Wandern ganz besonders.
Während dem Steigen trifft man sich mit an Ästen hängenden Affen, raren Vogelarten, Antilopen, Büffeln und falls es ganz heiß ist, kann man sich in kleinen, kristallklarem Gebirgsbächen abkühlen, die von den Einheimischen ürigens für heilig gehalten werden. Manche von den Bächen werden von wunderschönen Wasserfällen ernährt unter dem man am besten den Wandertag mit einem taufrischem Frühstück anfängt. Achtung, Quellwasser darf man nach der Tradition ausschließlich aus einem Pflanzenblatt trinken!
An einem steilen Berghang findet man durch Buschmänner mit Kohl und Blut gemalte, etwa 3000-jährige Höhlenmalerei, mit Motiven die schon auch aus dem Geschichtelehrbuch bekannt sind: jagende Männer, sammelnde Frauen und das zu erlegende Wild in afrikanischer Version, Elefanten, Antilopen, Krokodile.
Unterkunft ist in einem der kleinen Camps Chimanimanis, z.B. in Chikukwa in einer einfachen Zweighütte möglich, ohne viel Komfort aber mit großem Erlebnis. Und nachts mit wirklichem Blinddunkeln, da es im Camp Elektrizität gibt. Der Name Chimanimani bedeutet übrigens „enge Schlucht“ in lokalem shona Dialekt, nach dem Ursprung des Berges, wo es sehr eng ist… In Chimanimani erhebt sich der höchste Punkt vom Land, Monte Binga (2436 m).
Wandern in Chimanimani wird immer mit einem eingesessenen Führer empfohlen. Zum einen gibt es keine Touristensignale, zum anderen kann der Erdboden an manchen Stellen noch potenziell während dem Unabhängigkeits- und Bürgerkrieg gelegene Landminen verstecken. Zwei weitere große Problemen sind die sog. unkontrollierten Brennungen der Wäldern (auch im Nationalpark und Naturreservat!) durch die eigene Bevölkerung zwecks Holzkohle herzustellen. Daneben die Kleingoldgräberei die hauptsächlich durch illegale Simbabwer ausgeführt wird und sowohl die Flora, die Fauna und die Gewässer als auch die menschliche Gesundheit der Gräber und der Bevölkerung schwer schädigt.
Wo man Geister begleitet…
In Mosambik hat fast jeder Berg (genauso die Flüsse und Friedhöfe) einen Geist. Und bevor man auf einen Berg aufsteigen will, muss man den Geist um Erlaubnis und Schutz bitten. Wenn jemand das nicht tut, kann dann nach dem Volksglaube mit den Konsequenzen rechnen, z.B. mit plötzlichem, heftigem Regen, mit einem zufälligen Ausrutsch oder sogar einer Kobra.
So hat Monte Zembe auch einen Geist, der sich alleinstehend auf etwa 1250 Metern in der Mitte der Provinz Manicas erhebt. Am Gipfel Zembes bietet sich ein atemberaubender Blick auf das Land. Aber um hochkommen zu können, muss man zuerst den lokalen Chef, den régulo aufsuchen (der übrigens auch eine Frau sein kann, sie heißt dann Königin, rainha), um eine Erlaubniszeremonie am Fuß des Berges auszuführen.
Dafür „benötigt“ aber der régulo natürlich eine kleine Geschenksammlung: Wein, Mehl, Reis, capulana (typische bunte afrikanische Textilien), Topf, Teller und noch manches Bargeld. Die Zeremonie selber ist sehr einfach: der régulo (oder die rainha) in seiner/ihrer Uniform und zwei andere Familienmitglieder setzen sich auf das Gras hin, gießen einige Tropfen aus dem Wein auf den Boden und der régulo fängt an mit den Vorfahren zu reden, während dessen rhythmisches Klatschen auch eine eigene Bedeutung hat.
Oft wird die Zeremonie dann am Gipfel durch den régulo oder die rainha wiederholt um sich für den Schutz zu bedanken und um weiteren auch noch für den Rückweg zu bitten (das bringt noch weitere notwendige Geschenke mit sich …). Neben dem wunderschönen Landespanorama gewinnt man auf Monte Zembe einen ganz guten Einblick in die lokale Tradition, aber kann sich auch Gazellen, Geckos und interessante Blumen und Pflanzen angucken.
Wo man Elefanten als Verhandlungspartner hat
Eine alte-neue Perle Mosambiks ist der fast 4000 Quadratmeter große Gorongosa Nationalpark in der Mitte in der Provinz Sofala. Schon vom Eingang an klebt man an seiner Kamera: große Elefantenfamilien, meditierende Affen, friedlich weidende Antilopen und Büffel , würdevoll verfolgenden afrikanischen Fischadler, ein rennendes und grunzendes Wildschwein, sich suhlende Nilpferde und Siesta haltende Krokodile sowie mehr als 400 Vogelarten und mit Glück sogar noch Leopard und einige Löwen; diese Tiere trifft man auf dem Weg.
Besonders spannend kann das Treffen mit der Elefantenfamilie sein, falls sie aus etwa 16 großen und sehr großen Elefantenfamilienmitgliedern besteht und nur 20 m entfernt von einem auftaucht… und ihr Weg genau unseren Weg kreuzen würde. Die Verhandlung über die Vorfahrt läuft ohne Wörter, aber mit hartnäckigem und stillem Gucken und Warten für ca. 10-15 Minuten. Dann endet sie mit der stillschweigenden Vereinbarung dass man diesmal Vorfahrt bekommt, und man fährt langsam los. Immer in der Hoffnung dass die Elefantenfamilie mit ihrer Bewegungslosigkeit das gleiche gewollt hat.
Zurzeit geht übrigens die Wiederbelebung des Parks voran. Infolge des Bürgerkriegs (zwischen 1976 und 1992) hat sich die Anzahl vieler der großen Säugetiere im Park um mindestens 90 % reduziert. Die Soldaten der gegnerischen FRELIMO und RENAMO haben die Elefanten für ihr Elfenbein geschlachtet um Waffen und Munition zu kaufen und die Zebras, Gnus und Büffel gejagt und gegessen. Folglich sind viele Raubtiere ohne Beute geblieben und dann auch verschwunden.
In 2004 hat die US-Care Foundation ein 20-jähriges Rehabilitationsprogramm gestartet, das auf die Restauration und den Schutz des Ökosystems abzielt und darin auch die lokale Bevölkerung um den Park herum mit einbezieht, durch Beschäftigungsprogramme, Unterricht in nachhaltiger Landwirtschaft und Förderung der lokalen Schule und des Gesundheitspostens.
Eine schöne Wandertour bietet der 1863 Meter hohe Gorongosaberg gleich neben dem Park, mit einem kleinen Wasserfall unter den Bäumen als Raststätte. Auf dem Weg begleitet man aber ein tristes Panorama: infolge des Abschneidens und der unkontrollierten Brennungen sind die meiste Wälder schon weg… In der Tat, falls die menschliche Tätigkeit in diesem Tempo weitergeht, bedeutend heute die größte Gefahr für das Ökosystem des Berges, werden viele Arten verschwunden sein, die Vunduzi und Muera Flüsse verschmutzte Pfuhle sein und die Wälder Jahrhunderte benötigen, bis sie sich wieder erholen können.
Die Webseite vom Gorongosa Nationalpark
Mehr Fotos vom Land und die mosambikanischen Alltage auf Picasa der Autorin
Lies auch die zwei vorherigen Artikel der Autorin über das mosambikanische Leben mit einigen kulinarischen Gerichten, und über drei paradiesische Inseln, in der Mitte des indischen Ozeans!













